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Der Charme
vergangener Zeiten
Im Hotel Am Berg sind die Zimmer großzügig
geschnitten
und einige noch im Stil der 50er Jahre eingerichtet
VON BEN REICHARDT
Die
Reise in die Vergangenheit beginnt schon beim Eintritt in die Halle
der großen Villa am Grethenweg. Rote gemusterte Teppiche,
zwei wuchtige Sessel, an den Wänden Ölporträts in
einem Stil wie er früher einmal modern gewesen sein muss. Ein
Bild zeigt ein junges Mädchen mit eindrucksvollen Augen, gekleidet
in ein rosa Tüllkleid. Es ist die jetzige Inhaberin des Hotels
Am Berg, Hannelore von Baross.
„Mein Vater hat das Haus 1949
gekauft, damals war es total zerstört“, erzählt
sie. Nachdem es wieder aufgebaut worden war, zeigte sich schnell,
dass es viel zu groß war für die Familie. So entschloss
sich ihr Vater seinen Beruf als Bauunternehmer aufzugeben und ein
Hotel daraus zu machen. Nach seinem Tod Ende der 60er Jahre übernahm
seine Frau die Geschäfte.
„Meine Mutter lebte nur
für das Haus“, erinnert sich die 56-jährige von
Baross. Vor sieben Jahren starb ihre Mutter und sie übernahm
das Hotel gemeinsam mit ihrem Mann Joachim Sie weiß nur zu
gut um die Gefahr, dass einen der Beruf zu sehr vereinnahmt, aber
es fällt ihr schwer immer konse-quent zu sein. „Ich bin
hier groß geworden und hänge dran.“
Insgesamt 20 Zimmer hat das Hotel,
verteilt auf drei Stockwerke. Für viel Geld musste sie in den
vergangenen Jahren Auflagen erfüllen und Fluchtwege einrichten,
erzählt die Inhaberin. Seinen Charme hat das Haus behalten.
Die Zimmer sind fast alle äußerst großzügig
geschnitten. Aus betriebswirt-schaftlicher Sicht eigentlich zu großzügig.
„Es ist nicht funktional.“ Aber wer ändert schon
etwas an Dingen, die er liebt.
Eine Augenweide sind die Zimmer mit
den Originalmöbeln aus den 50er Jahren. Es sind nicht viele,
aber sie sind hoch interessant. Zum Beispiel das dunkle Doppelbett
mit den Kirschblütenmotiven am Kopfende und der dazu passende
Wandschrank. Im überdimensionierten Badezimmer runden schwarz-weiße
Fliesen das Bild ab. In einem anderen Zimmer befindet sich im Bad
eine mehrere Quadratmeter große Wandmalerei mit einer Dschun-gelszenerie.
Zu sehen ist ein Tümpel mit Seerosen, Flamingos, Fröschen,
Affen und einem Papagei. Hannelore von Baross kann sich noch gut
erin-nern, wie sie als kleines Kind dabei stand und dem Maler zusah.
Jetzt kämpft die Inhaberin für
den Erhalt dieses charmanten Zeugnisses einer vergangenen Epoche.
Der Wasserdampf setzt den Farben zu. Sie ver-sucht das Bild nun
mit Schiffslack zu retten. So gut es eben geht.
Die meisten Gäste sind Stammgäste,
seit einiger Zeit stehen manchmal auch Rucksackreisende vor der
Tür. Die Inhaberin freut sich. Der Preis-kampf in der Hotellerie
sei kein Spaß, sagt sie. Das Doppelzimmer kostet zwischen
74 und 96 Euro. Gerne würde sie jungen Künstlern ihr Haus
für Lesungen und kleine Hausmusikabende zur Verfügung
stellen. So wie im Frühjahr, als vier junge Autoren in verschiedenen
Zimmern aus ihren Werken lasen. „Es ist sonst sehr ruhig hier“,
sagt sie. Aber irgendwie macht das auch den Charme des Hauses aus.
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